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		<title>Gestorben wird in Neunergruppen</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Jan 2010 15:31:48 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Ich starre auf die dicken Speckwulste, die aus dem Hals des Abtes eine Art Ballon machen, einen Ballon auf dem sein Kopf als runde glänzende Kugel thront, die im Takt zu seinem Gesang hin und her schaukelt. Die Wulste blähen sich mit jedem Laut, den er in die Menge ruft auf. Es ist ein Totengesang, von dem ich kein Wort verstehe. Ich rutsche ein Bisschen zur Seite und lasse mein Gesäß auf dem Teppichboden ruhen, um endlich meine Knie etwas zu entlasten. 40 Minuten Kniepose ist nichts für meine westlich gebaute Statur, denke ich und frage mich, ob denn der aufgeblähte Hals des Mönchs nicht jeden Moment platzen könnte.
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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://asienkorrespondent.files.wordpress.com/2009/01/sarg.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-177" title="Sargliegen" src="http://asienkorrespondent.files.wordpress.com/2009/01/sarg.jpg?w=500&#038;h=377" alt="" width="500" height="377" /></a></p>
<p><strong>Heute stirbt sichs gut&#8230;</strong></p>
<p><em><strong>Ich starre auf die dicken Speckwulste, die aus dem Hals des Abtes eine Art Ballon machen. Es ist ein Ballon, auf dem der Mönchskopf als runde glänzende Kugel thront, die im Takt zu seinem eigenen Gesang hin und her schaukelt. Die Wulste blähen sich mit jedem Laut, den der Mönch in die Menge ruft auf. Es ist ein Totengesang, von dem ich kein Wort verstehe. Ich rutsche ein Bisschen zur Seite und lasse mein Gesäß auf dem Teppichboden ruhen, um endlich meine Knie etwas zu entlasten. 40 Minuten Kniepose ist nichts für meine westlich gebaute Statur, denke ich und frage mich, ob denn der aufgeblähte Hals des Mönchs nicht jeden Moment platzen könnte.</strong></em></p>
<p><strong>Eine totsichere Geldmaschine</strong><br />
Erst als ich unsanft in die Seite gestoßen werde, merke ich, dass ich längst abgeschweift bin. Ich solle mich wieder richtig hinknien, gibt mir der ältere Herr zu meiner Linken mit eindeutigen Handzeichen zu verstehen. Ich blicke mich um, und wirklich: Ich bin nicht nur der einzige Europäer im Raum sondern auch der einzige der sitzt. Alle anderen der rund 200 Leute in der von Neonlicht durchfluteten Halle knien andächtig und folgen devot dem Gesang des Abtes und seiner fünf Gehilfen. Es ist eine ernste Angelegenheit. Es geht schließlich um Leben und Tod hier. Oder besser gesagt zuerst um Tod und dann vielleicht um Leben. Ich habe mich nämlich entschieden am 12.12.2007 ein neues Leben zu beginnen. Heute sei ein gutes Datum, hat mir der Mönch, der am Eingang zum Tempel die Leute segnet versichert. Eigentlich sei aber jeder Tag gut, fügte er auch gleich an, als ich fragte, warum denn die riesengroßen Parkplätze vor dem Tempelgelände heute noch fast leer seien. Die Parkplätze seien aufs Wochenende ausgelegt und deshalb erschienen sie heute relativ leer. Es ist wohl alles eine Frage der Optik, denke ich mir, genau so wie der dicke Hals des Abtes, der wohl seiner Stimme mehr Volumen verleiht, für mich jedoch vielmehr ein Beweis ist, dass dieser Wohltäter sich offensichtlich auch ganz gut um sein eigenes Wohl kümmert. Denn seit er das Amt des Abtes vor  drei Jahren übernommen hat im Wat Prommanee geht es rund in diesem mittlerweile landesweit bekannten Tempel in der Nähe von Nakhon Nayok. Busladungen von sterbewilligen Thais pilgern an den Ort, der allen einen Neuanfang verspricht. Es hat sich längst herumgesprochen, dass man hier für ein paar Baht etwas kriegt, das man sonst nur einmal bekommt: Ein neues Leben. Was für den Tempel innert Kürze zum Goldesel geworden ist, lockt mittlerweile Tausende von Besuchern in die beschauliche, ländliche Gegend. „An guten Wochenenden sind es über 700 Leute pro Tag“, erzählt der Mönch, der mir für 100 Baht mit weißer Tanakapaste ein buddhistisches Zeichen des Segens auf die Stirne malt.  Wenn man die Zeremonie wirklich ernst nehme, müsse man dreimal hierherkommen, erst dann sei sicher, dass das neue Leben auch wirklich das Glück verspreche, das man wolle.</p>
<p><strong>Im Einklang mit den Zehen</strong><br />
Einmal ist aber für mich genug!  Das sagt mir schon der Schmerz in meinen Knien, der jetzt kaum mehr auszuhalten ist und ich befürchte, dass es wohl längst nur noch ein paar letzte Tröpfchen Blut sind, die die Reise bis in die letzen Enden meiner Zehen schaffen, so taub wie sich die anfühlen. Das Leben ist offenbar auch als Buddhist ein Leidensweg, nicht nur als Christ, schießt es mir durch den Kopf. Doch das sanfte und freundliche Zunicken meines Nachbarn gibt mir Mut. Endlich fühle ich mich in Einklang mit mir, meinen Zehen, meinem Nachbarn und den wundersamen Tönen aus dem dicken Hals des Abtes und ich bin bereit für den Sarg. Es ist ziemlich genau eine Stunde her, seit ich beim Kassenhäuschen das Ticket für meinen letzten Gang gekauft habe und mit mulmigem Gefühl den üppig geschmückten Raum mit den neun offenen Särgen betrat. Nun ist es also so weit. Der Hals des Abtes hat gehalten und zusammen mit den Rund 200 anderen Leuten im Raum werde ich also in wenigen Minuten dieses Leben verlassen. In Reih und Glied stehen wir an, denn gestorben wird in Neunergruppen.</p>
<p><strong>544 Jahre älter</strong><br />
Plötzlich entsteht Hektik und mein innerer Einklang wird innert Kürze zum Techno-Beat.  Langsam findet auch das Blut wieder den Weg in meine Zehenspitzen. Wie Parkplatzeinweiser nur ohne Trillerpfeife winken nun die Mönche die Sterbewilligen im 2-Minuten-Takt ins neue Leben. Einsteigen, abliegen, beten und ab ins neue Abenteuer! Ich bin als nächster dran. Mein Mund fühlt sich trocken an und ich wünsche, ich hätte mir vor einer Stunde beim Eingang zum Tempel doch noch eine Tasse Espresso genehmigt, statt diese aufs nächste Leben zu verschieben. Jetzt ist es zu spät. „Die nächsten bitte!“ schon führt mich ein Mönch in orangefarbener Robe vor meinen Sarg. Blau ausgekleidet wie die Tiefen des Meeres liegt die Holzkiste zu meinen Füssen. Eine kleine Stufe erleichtert den Einstieg ins Jenseits. Ein kurzes Zögern, zwei Schritte und da liege ich auf dem Rücken, die Hände gefaltet, Orchideen auf dem Bauch. &#8222;Wo ist Petrus?&#8220; schiesst es mir durch den Kopf, doch schon fegt der Deckenventilator über mir die letzen Erinnerungsfetzen meines alten Lebens weg und langsam schließt sich der Sarg. Meine Augen bleiben offen, denn ich will sehen wie es ist, tot zu sein. Mönchsgesang, erfüllt die Enge der Kiste und über mir schwebt ein hellbläuliches Tuch wie eine Schaumkrone, die gegen das Dunkel des Meeres kämpft. So habe ich mir sterben nicht vorgestellt und ohne es zu merken bin ich auch bereits wiedergeboren. Der Mönch, der mich zum Ende des letzten Lebens begleitete, ist auch schon da, er war offenbar schneller als ich. Er streckt mir die Hand entgegen und hilft mir aus dem Sarg. Da bin ich also. Neu geboren und gleich 544 Jahre älter. Denn ab heute werde ich nun wohl definitiv auch ein buddhistisches Geburtsdatum haben, nämlich den 12.12.2551.</p>
<p>Pascal Nufer, Journalist Bangkok</p>
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		<title>Vom Drachendelta nach Shangri-La: SF bereist den Mekong</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Dec 2009 01:43:07 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Der Mekong verbindet, teilt, ernährt, zerstört und bewegt die Menschen. Jahrtausende alte Mythen umranken ihn und für seine Zukunft sehen viele Wissenschaftler schwarz. Die neunteilige Reise auf dem längsten Fluss Südostasiens soll Einblick geben in eine Welt, die voll und ganz geprägt ist von einer Abhängigkeit dieser Mutter aller Wasser.<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=asienkorrespondent.wordpress.com&amp;blog=9838234&amp;post=104&amp;subd=asienkorrespondent&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>SF Weihnachtsserie: Mit Daniela Lager entlang dem Mekong</strong></p>
<div id="attachment_110" class="wp-caption alignright" style="width: 510px"><a href="http://asienkorrespondent.files.wordpress.com/2009/12/mekong04.jpg"><img class="size-full wp-image-110" title="Daniela Lager unterwegs auf dem Mekong" src="http://asienkorrespondent.files.wordpress.com/2009/12/mekong04.jpg?w=500&#038;h=333" alt="" width="500" height="333" /></a><p class="wp-caption-text">Daniela Lager unterwegs auf dem Mekong</p></div>
<p>Der Mekong verbindet, teilt, ernährt, zerstört und bewegt die Menschen. Jahrtausende alte Mythen umranken ihn und für seine Zukunft sehen viele Wissenschaftler schwarz. Die neunteilige Reise auf dem längsten Fluss Südostasiens soll Einblick geben in eine Welt, die voll und ganz geprägt ist von einer Abhängigkeit dieser Mutter aller Wasser. Eine Abhängigkeit, die für die meisten Länder im unteren Flusslauf heute auch eine Abhängigkeit von den Launen Chinas ist. Wir starten da, wo sich der Mekong im südchinesischen Meer verliert und Enden dort, wo der britische Autor James Hilton den Horizont verlor: in Shangri-La, am Tor zu Tibet. Eine Reise entlang dem Mekong ist unweigerlich auch eine Reise ins Herz der buddhistischen Tradition.</p>
<p>RADIOBEITRAG:</p>
<p><a href="http://web.mac.com/pascal.nufer/%C3%BCber_uns/Audio/Entries/2009/12/27_Vom_UBS-Banker_zum_Wohlt%C3%A4ter.html">Beitrag DRS1: Vom UBS Banker zum Wohltäter</a></p>
<p>Artikel in der Schweizer Illustrierten:</p>
<p><a href="http://asienkorrespondent.files.wordpress.com/2009/12/si.pdf">Lebensader Mekong</a></p>
<p>(Fotos: Pascal Nufer, Journalist Bangkok)</p>
<p>Weiteres zum Thema auf der SF-Seite:</p>
<p><a href="http://www.sf.tv/sendungen/10vor10/mekong.php?docid=uebersicht" target="_blank">http://www.sf.tv/sendungen/10vor10/mekong.php?docid=uebersicht</a></p>
<p><a href="http://asienkorrespondent.files.wordpress.com/2009/12/mekong16.jpg"><img class="alignright size-full wp-image-105" title="SF Team am Mekong" src="http://asienkorrespondent.files.wordpress.com/2009/12/mekong16.jpg?w=500&#038;h=333" alt="" width="500" height="333" /></a></p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/asienkorrespondent.wordpress.com/104/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/asienkorrespondent.wordpress.com/104/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/asienkorrespondent.wordpress.com/104/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/asienkorrespondent.wordpress.com/104/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/asienkorrespondent.wordpress.com/104/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/asienkorrespondent.wordpress.com/104/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/asienkorrespondent.wordpress.com/104/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/asienkorrespondent.wordpress.com/104/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/asienkorrespondent.wordpress.com/104/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/asienkorrespondent.wordpress.com/104/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/asienkorrespondent.wordpress.com/104/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/asienkorrespondent.wordpress.com/104/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/asienkorrespondent.wordpress.com/104/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/asienkorrespondent.wordpress.com/104/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=asienkorrespondent.wordpress.com&amp;blog=9838234&amp;post=104&amp;subd=asienkorrespondent&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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		<title>Ein thailändischer Fischer erinnert sich an den Tsunami</title>
		<link>http://asienkorrespondent.wordpress.com/2009/12/27/ein-thailandischer-fischer-erinnert-sich-an-den-tsunami/</link>
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		<pubDate>Sun, 27 Dec 2009 04:22:59 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Fünf Jahre sind vergangen, seit das japanische Wort „Tsunami“ auf tragische Weise die Welt eroberte. Ein gewaltiger Erdstoss vor der Küste Indonesiens löste am 26. Dezember 2004 eine Todeswelle aus, die über 230 000 Menschen das Leben kostete und als eine der grössten Naturkatastrophen in die Geschichtsbücher einging. Die damals zerstörten Küstenabschnitte sind zwar längst aufgeräumt, die Erinnerungen an die Welle sind aber nach wie vor sehr präsent.<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=asienkorrespondent.wordpress.com&amp;blog=9838234&amp;post=156&amp;subd=asienkorrespondent&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>&#8222;Wenn das Meer geht, kommt es wieder&#8220;</strong></p>
<p><strong>Fünf Jahre sind vergangen, seit das japanische Wort „Tsunami“ auf tragische Weise die Welt eroberte. Ein gewaltiger Erdstoss vor der Küste Indonesiens löste am 26. Dezember 2004 eine Todeswelle aus, die über 230 000 Menschen das Leben kostete und als eine der grössten Naturkatastrophen in die Geschichtsbücher einging. Die damals zerstörten Küstenabschnitte sind zwar längst aufgeräumt, die Erinnerungen an die Welle sind aber nach wie vor sehr präsent.</strong></p>
<p>(Artikel erschienen in der Neuen Zürcher Zeitung, NZZ)</p>
<p><strong>RADIOBEITRAEGE ZUM THEMA:</strong></p>
<p><a href="http://web.mac.com/pascal.nufer/%C3%BCber_uns/Audio/Entries/2009/12/26_Tsunami_Thailand_5_Jahre_danach.html">DRS3 Beitrag: &#8222;Ein Fischer erinnert sich&#8220;</a></p>
<p><a href="http://web.mac.com/pascal.nufer/%C3%BCber_uns/Audio/Entries/2009/12/26_Tsunami_Fr%C3%BChwarnsystem.html">DRS1 Beitrag: Tsunamiwarnsystem</a></p>
<p>Laut knattert der Motor des thailändischen Fischerbootes. Die Gischt spritzt links und rechts den rot bemalten Planken entlang hoch. Breitbeinig steht Sathorn Thon Talee auf der Heckbank. Er hält die lange Stange, an deren unterem Ende die Schiffsschraube sitzt, fest in den Händen und steuert sein Boot. Es sind Hände, die geprägt sind von einem harten Fischerleben, von Stürmen und Fluten. Tiefe Furchen zeichnen das bronzefarbene Gesicht des 45-jährigen Mannes; Furchen, die Geschichten erzählen.</p>
<p><strong>Mein Element ist das Wasser</strong></p>
<p>Angst habe er keine, sagt er, während er die Augen zusammenkneift und das Boot mit Blick auf den Horizont aus den Mangrovensümpfen vor Kuraburi hinaus aufs offene Meer manövriert.  Und irgendwie glaubt man dem Mann, der wirkt, wie ein Mensch, den nichts mehr erschrecken kann. Er habe einen Tsunami überlebt und kenne die Sprache des Meeres, lautet die einfache aber überzeugende Erklärung. „Von da kam die Welle“, sagt Sathorn Thon Talee und zeigt dorthin, wo Himmel und Wasser zu einem hellblauen Streifen verwachsen. Er spricht heute nüchtern über den 26. Dezember 2004, den Tag, der nicht nur sein Leben, sondern das Leben seiner ganzen Familie, seines Dorfes, seiner Insel und wohl auch eines grossen Teils seiner Heimat-Provinz Phang-Nga veränderte. Viel weiter als bis zu seinen Provinzgrenzen kenne er sich nicht aus. „Mein Element ist das Wasser und nicht das Festland“, fügt er an.  Und das kam den Bewohnern seines Fischerdorfes auch damals, vor fünf Jahren zu gute: Sathorn Thon Talee kennt das Meer, wie kaum ein anderer.</p>
<p><strong>Start in ein neues Leben</strong></p>
<p>Mueang Mai war eine kleine Siedlung mit rund 100 Einwohnern. Ein typisches thailändisches Fischerdorf mit Häusern auf Stelzen auf einer kleinen Insel gelegen, ein paar Kilometer dem Festland vorgelagert. „Plötzlich war das Wasser weg“, erinnert sich Thon Talee an den Moment kurz vor dem Eintreffen des Tsunamis, als sich der Meeresspiegel innert kurzer Zeit um mehrere Meter absenkte: „Ich wusste, wenn das Meer geht, kommt es wieder.“ Die gesamte Dorfbevölkerung rannte auf den nächsten Hügel und noch bevor die Wassermassen zurückkamen und mit zerstörerischer Wucht über die Stelzenhäuser von Mueang Mai donnerten, waren alle Menschen in Sicherheit. Alle überlebten, doch die gesamte Lebensgrundlage des Fischerdorfes war innert Minuten weggespült. „Es war schlimm, doch heute muss ich sagen, dass dies der Start war in ein neues Leben“, sagt Sathorn Thon Talee und kramt aus einer Kiste auf seinem Boot ein Notizbuch hervor.</p>
<p><strong>Vom Fischer zum Touristenführer</strong></p>
<p>Es ist seine Buchhaltung, eine Art Milchbüchlein. Voller Stolz zeigt er die feinsäuberliche Auflistung von Daten, Namen und Geldbeträgen. „Dank dem Tsunami habe ich gelernt Buch zu führen und bin jetzt nicht mehr nur Fischer, sondern Businessmann“, sagt er und die tiefen Furchen um seine Lippen verziehen sich zu einem breiten Grinsen. Gelernt habe er das von den Schweizern, sagt er und meint damit die DEZA, die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit. Denn sein Boot ist eines von 73 Booten, die im Rahmen der Schweizer Tsunamihilfe gespendet wurden. Auch wenn das DEZA-Logo längst überpinselt ist, spricht der thailändische Fischer gerne über die Hilfe aus der Schweiz. „Ich war der offizielle Bootsfahrer der DEZA und musste deshalb über alle meine Fahrten Buch führen.“ Nicht nur das hat er gelernt von den Fahrten mit  DEZA-Leuten,  Politikern oder Journalisten. „Alle waren immer begeistert von der Schönheit der Inselwelt und nicht wenige kamen sogar privat wieder und wollten wieder eine Bootstour.“ Der findige Fischer merkte bald, dass sich damit auch Geld verdienen lässt. Er verteilte seine Telefonnummer an Reisebüros am Festland und fährt heute regelmässig Touristen aus den nahegelegenen Massentouristenorten Kao Lak und Phuket an verborgene Strände und glasklare Schnorchelplätze. In diesem Jahr habe er bereits an 57 Tagen Touristen herumgefahren, erzählt er mit Blick auf seine Milchbuchrechnung. Insgesamt gehe es ihm heute eigentlich so gut, wie noch nie in seinem Leben. „Ich verdiene heute viermal so viel, wie vor dem Tsunami und kann endlich meinen drei Kindern eine Zukunft garantieren.“ Für den 16-jährigen Sohn Nattaphong hat die Zukunft bereits begonnen. Er hilft seinem Vater schon jetzt regelmässig auf dem Boot und ist fest entschlossen bald selber Touristen herumzufahren. Sein grösster Wunsch ist ein eigenes Boot. Doch bis dahin muss er sich noch etwas gedulden. Denn zuerst bekomme die älteste Tochter Pilaiporn einen Computer sagt Vater Sathorn Thon Talee. „Sie will in Phuket studieren und braucht wohl einen Laptop, wir leben ja auch hier im 21. Jahrhundert.“</p>
<p><strong>Moderne Technik</strong></p>
<p>Wie als Beweis, dass auch er selber den Anschluss an die moderne Welt nicht verpasst hat, zieht der Fischer sein Handy aus der Tasche und verkündet,  dass er sich als nächstes ein Telefon mit Satellitennavigation anschaffen wolle, so wie viele Touristen es schon hätten. Das Handy ist für ihn heute nebst dem Boot und den Fischereiutensilien zum wichtigsten Werkzeug geworden. „Ich brauche es nicht nur für die Buchungen von Bootstouren, sondern auch wegen der Tsunamiwarnung.“ Denn all dem seit Generationen überlieferten Wissen zum Trotz vertraut auch er heute auf die Technik und ist froh, dass es mittlerweile ein Tsunami-Frühwarnsystem gibt. „Wenn in Indonesien die Erde einmal wieder so stark bebt, dass es einen Tsunami geben könnte, weiss ich das spätestens zehn Minuten später, das gibt mir Sicherheit“, sagt er, zündet sich eine Zigarette an und steuert sein Boot zielsicher in Richtung Pier, der ebenfalls mit Schweizer Hilfsgeldern gebaut wurde.</p>
<p>Pascal Nufer, Journalist Bangkok</p>
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		<title>Der Berg ruft &#8211; oder zu Fuss auf den Wolkenkratzer</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Oct 2009 16:56:34 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Die Berge sind ja für uns Schweizer so etwas wie unsere Horizontbegrenzung. Der Rand, der uns vor dem bösen Abgrund schützt sozusagen. Und wenn wir hinaufsteigen auf ihre Gipfel, dann immer nur, um mit zusammen gekniffenen Augen in die Ferne zu blicken und dann mit Genugtuung festzustellen, dass das unbekannte Fremde in sicherer Entfernung liegt und es unten in den Tälern trotz engem Horizont immer noch viel gemütlicher ist. Doch was macht man, wenn dieser gemütliche Horizont plötzlich fehlt? Wo ich Schokolade,Käse und Wein kaufen kann in Bangkok, wusste ich bald. Doch Berge kann man selbst in Thailand nicht kaufen, die muss man erklimmen. Und das habe ich nach vier Jahren jetzt endlich geschafft. Mein Berg heißt Vertigo.<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=asienkorrespondent.wordpress.com&amp;blog=9838234&amp;post=68&amp;subd=asienkorrespondent&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_70" class="wp-caption alignleft" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-70" title="Hotel Banyan Tree Bangkok" src="http://asienkorrespondent.files.wordpress.com/2008/10/525_156.jpg?w=500&#038;h=648" alt="Banyantree Bangkok" width="500" height="648" /><p class="wp-caption-text">Banyantree Bangkok</p></div>
<p><strong>Was vermisst ein Schweizer in Thailand am meisten? Richtig: Käse und Schokolade. Das glauben mir immer alle. Es entspricht nicht nur den Klischees, sondern beruhigt auch alle Freunde, die aus der Heimat zu Besuch sind und mal wieder sondieren wollen, wie es denn so steht um die Wurzeln und den Bezug zur Heimat. Im zweiten Satz nenne ich dann gerne auch geistreichere Dinge wie zum Beispiel die Demokratie, die Jahreszeiten, den Wein oder die Berge. Ja, die Berge, die ja schon seit Jahrhunderten so viel Heimweh mit ebenso viel Tränen verursachten, wie jeden Sommer Schnee von ihnen schmilzt. Seit ich hier bin, suche ich sie vergebens und immer noch ertappe ich mich dabei, wie mein Blick hilfesuchend den Horizont abgrast, in der Hoffnung, irgendwann im Dunst der Smogglocke doch einmal noch die Zacken der Mythen oder der Berner Alpen auszumachen.</strong></p>
<p>Die Berge sind ja für uns Schweizer so etwas wie unsere Horizontbegrenzung. Der Rand, der uns vor dem bösen Abgrund schützt sozusagen. Und wenn wir hinaufsteigen auf ihre Gipfel, dann immer nur, um mit zusammen gekniffenen Augen in die Ferne zu blicken und dann mit Genugtuung festzustellen, dass das unbekannte Fremde in sicherer Entfernung liegt und es unten in den Tälern trotz engem Horizont immer noch viel gemütlicher ist. Doch was macht man, wenn dieser gemütliche Horizont plötzlich fehlt? Wo ich Schokolade, Käse und Wein kaufen kann in Bangkok, wusste ich bald. Doch Berge kann man selbst in Thailand nicht kaufen, die muss man erklimmen. Und das habe ich nach vier Jahren jetzt endlich geschafft. Mein Berg heißt Vertigo.</p>
<p><strong>Am Ende des Anfangs</strong></p>
<p>180! Nein, es ist leider noch nicht die Zahl der Meter über Boden, sondern nur die Zahl, die der Pulsmesser anzeigt. 180 und erst bei Stock 10. Meine schlimmsten Zweifel scheinen sich zu bewahrheiten. Ich hätte wohl doch trainieren sollen, bevor ich mich auf dieses Abenteuer einließ: 196 Meter, aufgeteilt in 61 Stockwerke oder 1093 Treppenstufen und das alles zu Fuß. Jetzt ist es zu spät. Vor mir trippeln federleicht die Fußsohlen meines Kollegen Alex immer schön auf meiner Augenhöhe Stufe um Stufe dem Ziel entgegen. Noch buchstäblicher könnte ich ihm gar nicht auf den Fersen sein. Es riecht nach Lösungsmittel und sticht leicht in der Lunge. Wir sollten aufpassen, bei Stock 10 hat uns die überfreundliche Dame vor ein paar Minuten in der klimatisierten Hotellobby noch gewarnt. Sie tönte leicht besorgt und erklärte uns, dass noch nicht alles fertig sei und im Moment noch auf verschiedenen Stockwerken gebaut würde. Von unserem Vorhaben ließen wir uns deswegen nicht abbringen. Wir wollten ihn um jeden Preis erklimmen, einen der höchsten Gipfel Bangkoks und zwar aus eigener Muskelkraft und nicht per Fahrstuhl, wie das die meisten machen. Der Wolkenkratzer, in dessen düsterem Bauch wir uns im Moment nach oben quälen, beherbergt das Fünfsterne Hotel Banyan Tree und ist berühmt für sein Freiluftrestaurant fast 200 Meter über den Strassen Bangkoks: Das Vertigo. Wie sehr wünsche ich mir, jetzt schon da oben bei einem eisgekühlten Drink zu sitzen, mich von langweiligem Lounge-Jazz besäuseln und meinen Blick über die Dächer Bangkoks schweifen zu lassen.<br />
Skybar Vertigo Bangkok</p>
<p><strong>Skybar Vertigo Bangkok</strong></p>
<p>Stattdessen klammere ich mich an meine Wasserflasche und kämpfe wie Sisyphus gegen die Gravitation. 33 Grad Celsius zeigte das Thermometer, als wir vor sechs Minuten durch die unscheinbare Metalltüre ins Treppenhaus schlüpften. Je höher wir uns in diesem Stufen-Nirvana spiralförmig nach oben schrauben, desto wilder beginnen auch meine Gedanken zu kreisen. Alex’ Füße vor meinen Augen verwandeln sich langsam in Kolben einer Maschine, die in immergleichem Rhythmus Treppenstufe um Treppenstufe nach unten drücken. Mein Schweiß wird zum Schmieröl dieser Mördermaschine. Ich erinnere mich an Bilder des berühmten Surrealisten M.C. Escher, und befürchte auf einer seiner endlosen Treppen gelandet zu sein. Eine Treppe deren Ende immer wieder zum Anfang wird und auf der man vergebens ein Ziel sucht.</p>
<p><strong>Unser Sherpa</strong></p>
<p>Wir haben die Hälfte hinter uns und plötzlich wechselt die Farbe des Bodens zu Grün. Eine Tür öffnet sich. Baulärm umgibt den Mann im dunklen Anzug, der jetzt lächelnd das Treppenhaus betritt. Wie eine Erscheinung aus dem Nichts steht er im Türrahmen und nickt uns freundlich zu, um uns von nun an schweigend zu begleiten. Er sei für unsere Sicherheit verantwortlich, hatte uns die freundliche Frau schon unten im tiefen Tal sein späteres Dazustoßen vorangekündigt. Er würde uns in einem Notfall zur Seite stehen, sagte sie und Notfälle kommen ja vor, wenn man Berge besteigt; als Schweizer weiß man das. Gletscherspalten gibt es hier zwar keine, Wetterumbrüche und Lawinen auch nicht, abstürzen könnte man aber schon. Mein Blick wandert übers Treppengeländer unter dem sich der tiefe Abgrund öffnet. Es wird mir ein bisschen schwindlig. Vielleicht habe ich ja auch schon Anzeichen von Höhenkrankheit oder sind es doch eher die Dämpfe des frisch gestrichenen Treppenhauses, die dieses leicht besäuselte Gefühl hervorrufen? Noch 15 Stockwerke trennen uns vom blauen Himmel. Ruhig lächelnd folgt uns der Wachmann, in Anzug und Krawatte, ohne sichtliche Anstrengung beschützt er uns vor den Launen des Berges. Ich stelle mir vor, er sei unser Sherpa, der uns -wenn auch nicht aufs Dach der Welt, immerhin aufs Dach des Hotels Banyan Tree in Bangkok begleitet. Unsere Schritte gehen langsamer. Ich glaube, die Luft ist schon dünner hier oben und ich spüre meine Beine, die sich langsam mit Blei füllen. Die Kolben der Mördermaschine stampfen langsamer, das Schmieröl läuft in Strömen. Ein letztes mal wendet sich die Treppe nach rechts und da sind wir: 61 steht mit roter Farbe an die graue Wand gepinselt. Mit einer stillen Handbewegung weist uns unser Sherpa den Weg zum Gipfel. Vorbei an den gigantischen Kompressoren der Hotelklimaanlage über eine letzte Treppe erreichen wir endlich das Ziel und nach genau 13 Minuten und 50 Sekunden endet dieser Alptraum. 196 Meter über Boden blinzeln wir in die grelle Sonne. Ich kneife meine Augen zusammen, schaue in die Ferne und frage mich, ob das da drüben hinter dem Fluss wohl Österreich, Deutschland oder sogar Italien ist. Hätte mich nicht das freundliche „Herzlich willkommen“ des Restaurantmanagers zurück in die Realität katapultiert, wäre ich wohl nie ganz sicher gewesen, ob ich nicht doch über den Rhein statt über den Chao Praya blicke. Denn so weit oben verliert man gern einmal den Bezug zur Realität.</p>
<p><strong>Kleiner Nachtrag</strong></p>
<p>Der Sieger des 11. Vertical Marathons im Banyan Tree hat den Wolkenkratzer am 20. September in gerade einmal 6 Minuten und 27 Sekunden bezwungen. Die schnellste Frau in der Klasse 50+ war in 9:49 am Ziel… Wie stehen wir denn jetzt da?!</p>
<p>Pascal Nufer, Journalist, Bangkok</p>
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		<title>Erdbeben Indonesien</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Oct 2009 07:16:41 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Was hat ein Erdbeben mit einem Tsunami zu tun? - Sehr viel sagen die Geologen: Das eine ist der Auslöser des anderen. Doch die Folgen der beiden Ereignisse, die im Moment gerade wieder inflationär als verheerend beschrieben werden, sind nicht immer die gleichen und oft auch nicht vergleichbar. Auch wenn wir Journalisten es gerne hätten, lassen sich Katastrophen nur selten wie Modetrends oder Musikstyle schubladisieren und so verkommt die Berichterstattung häufig zu einem  händeringenden Versuch, etwas einzuordnen, was sich nicht einordnen lässt.<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=asienkorrespondent.wordpress.com&amp;blog=9838234&amp;post=6&amp;subd=asienkorrespondent&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Hoffnung stirbt zuletzt</strong></p>
<div id="attachment_8" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-8" title="Erdbeben Indonesien" src="http://asienkorrespondent.files.wordpress.com/2009/10/img_8701.jpg?w=500&#038;h=333" alt="IMG_8701" width="500" height="333" /></dt>
<dd class="wp-caption-dd">Ueberlebende des Erdbebens versuchen in den Alltag zurückzukehren,<br />
Foto: Pascal Nufer</dd>
</dl>
</div>
<p style="text-align:left;"><strong>Was hat ein Erdbeben mit einem Tsunami zu tun? &#8211; Sehr viel sagen die Geologen: Das eine ist der Auslöser des anderen. Doch die Folgen der beiden Ereignisse, die im Moment gerade wieder inflationär als verheerend beschrieben werden, sind nicht immer die gleichen und oft auch nicht vergleichbar. Auch wenn wir Journalisten es gerne hätten, lassen sich Katastrophen nur selten wie Modetrends oder Musikstile schubladisieren und so verkommt die Berichterstattung häufig zu einem  händeringenden Versuch, etwas einzuordnen, was sich nicht einordnen lässt.</strong></p>
<p>Da ist er wieder! Dieser Geruch, den man &#8211; einmal gerochen &#8211; nie wieder vergisst und der gerne als süsslich beschrieben wird: Der Leichengestank hat für mich nichts mit Süsslich gemein. Es ist ein Geruch, bei dem sich, sobald auch nur ein kleiner Fetzen meine Nasenflügel streift, vor meinem Auge gleich unendliche Filmschlaufen abspulen: Berge von Leichen auf Pickup-Trucks, menschliche Körper, die als solche längst nicht mehr erkennbar und höchstens noch eine entstellte Fratze dessen sind, was sie einmal waren. Diese Bilder, die sich tief in die Abgründe meiner Erinnerung verkrochen hatten, sind auch jetzt wieder präsent und ich klopfe sie verzweifelt als Referenz ab, um das, was ich gerade hier erlebe irgendwie abzugleichen. Doch es gelingt nicht. Der Tsunami in Phuket hat nichts mit dem Erdbeben in Padang zu tun.</p>
<div class="mceTemp">
<dl class="wp-caption alignleft">
<dt class="wp-caption-dt"><img class="size-medium wp-image-7" title="Komplette Zerstörung in einem Dorf ausserhalb von Padang" src="http://asienkorrespondent.files.wordpress.com/2009/10/img_87061.jpg?w=300&#038;h=200" alt="Erdbeben Indonesien" width="300" height="200" /><p class="wp-caption-text">Erdbeben Indonesien</p></div>
<p><strong>Überlebenschancen gleich Null</strong></p>
<p>Und trotzdem ist man versucht zu vergleichen: Wie war das denn damals, wie ist das jetzt heute? Katastrophen lassen sich aber nur schwer als Blaupausen übereinanderlegen, wie ich eigentlich weiss.  Doch Verstand und Erinnerung liefern sich ein Gefecht, wenn man vor den Trümmern eines Dorfes steht, in dem einmal 200 Leute gelebt haben und man erklären soll, wie es den Menschen denn jetzt hier, fünf Tage nach dem Beben geht und was sie wohl am dringensten brauchen. Wer weiss das schon? Der Motorradtaxifahrer, der  in den Trümmern nach seiner Tochter sucht weiss, dass ihm fünf Tage nach dem Beben auch die beste Hilfsorganisation der Welt nicht das zurückgeben kann, was ihm die ruckeligen Launen von Mutter Erde geraubt haben: Warme Decken, nagelneue Kochtöpfe oder Plastikplanen mit dem funkelnden Logo eines Hilfswerks nützen nichts gegen die eiternden Wunden die die Seele dieses Mannes quälen. Seine Tochter hat das Beben nicht überlebt, sagt meine Erfahrung aus anderen Katastrophen. Nüchtern und sachlich betrachtet tendieren nach über 72 Stunden die Überlebenschancen drastisch gegen Null. 5 mal 24 gibt 120 &#8211; Ich sage es dem Mann nicht.</p>
<div id="attachment_32" class="wp-caption alignleft" style="width: 210px"><img class="size-medium wp-image-32" title="erdbeben sumatra" src="http://asienkorrespondent.files.wordpress.com/2009/10/img_8697.jpg?w=200&#038;h=300" alt="Warten auf Hilfe, Foto: Pascal Nufer" width="200" height="300" /><p class="wp-caption-text">Warten auf Hilfe, Foto: Pascal Nufer</p></div>
<p><strong>Wundersamer Vergleich</strong><br />
Ohne mit den Wimpern zu zucken erkläre ich in den Abendnachrichten der Tagesschau des Schweizer Fernsehens SF trocken und distanziert, dass es üblich sei, dass &#8222;Such- und Rettungteams&#8220; fünf Tage nach einer Katastrophe ihre Sachen packen und wieder nach Hause fliegen. Der Motorradtaxifahrer weiss das auch, doch für ihn ist es die erste Erdbebenkatastrophe und er will nichts wissen von Erfahrungswerten aus anderen Katastrophen. Er hofft auf ein Wunder, sagt er mir und fährt mich zurück zu meinem Hotel, das seit heute morgen wieder fliessend Wasser hat.  Er bedankt sich höflich dafür, dass ich extra für diese Berichterstattung nach Padang geflogen bin. Mein Geld will er nicht. Auch als ich es ihm aufzudrängen versuche, gibt er mir keine Chance mein gutes Gewissen mit ein paar Rupien zurückzukaufen und knattert zurück an den Ort, wo vielleicht ein Wunder der Erfahrung ein Schnippchen schlägt. Und ich bin versucht doch noch einmal den Vergleich mit dem Tsunami zu wagen:<br />
War da nicht ein Mann, der nach zwei Wochen noch lebend aus den Trümmern geborgen wurde? &#8211; Oder war auch das nur eine Wunschvorstellung eines verzweifelten Vaters, der der Sachlickeit ausländischer Helfer und Journalisten nicht vertraute?</p>
<div id="attachment_38" class="wp-caption alignleft" style="width: 160px"><img class="size-thumbnail wp-image-38" title="Suedostasienkorrespondent" src="http://asienkorrespondent.files.wordpress.com/2009/10/pascal_live.jpg?w=150&#038;h=99" alt="SF Korrespondent Pascal Nufer" width="150" height="99" /><p class="wp-caption-text">SF Korrespondent Pascal Nufer</p></div>
<p>Pascal Nufer, Journalist, Bangkok</p>
<br />  <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/asienkorrespondent.wordpress.com/6/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/asienkorrespondent.wordpress.com/6/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/asienkorrespondent.wordpress.com/6/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/asienkorrespondent.wordpress.com/6/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gofacebook/asienkorrespondent.wordpress.com/6/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/facebook/asienkorrespondent.wordpress.com/6/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gotwitter/asienkorrespondent.wordpress.com/6/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/twitter/asienkorrespondent.wordpress.com/6/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/asienkorrespondent.wordpress.com/6/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/asienkorrespondent.wordpress.com/6/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/asienkorrespondent.wordpress.com/6/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/asienkorrespondent.wordpress.com/6/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/asienkorrespondent.wordpress.com/6/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/asienkorrespondent.wordpress.com/6/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=asienkorrespondent.wordpress.com&amp;blog=9838234&amp;post=6&amp;subd=asienkorrespondent&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></content:encoded>
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			<media:title type="html">Komplette Zerstörung in einem Dorf ausserhalb von Padang</media:title>
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		<title>Reis aus Thailand ueberschwemmt Westafrika</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Jan 2008 08:56:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>swissasia</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der Druck auf Westafrikas Reisproduzenten wächst ins Unerträgliche. Billiger Reis aus Thailand bringt die Reisproduzenten in Afrika in immer grössere Schweirigkeiten. In Ghana zum Beispiel kommt bereits jedes dritte Reiskorn aus dem süsdostasiatischen Königreich. Was für Westafrikas Bauern schwerwiegende Folgen hat, ist letztendlich auf ein WTO-Abkommen zurückzuführen, das dieses Dumping erst ermöglichte. Die Gewinner sind nicht etwa die thailändischen Reisbauern, sondern die Händler und Reismüller in Asien. Mit einer gemeinsamen Aktion versuchen nun die Bauern beider Regionen auf diese Absurdität des freien Marktes aufmerksam zu machen.<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=asienkorrespondent.wordpress.com&amp;blog=9838234&amp;post=23&amp;subd=asienkorrespondent&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Thaireis überschwemmt Westafrika</strong></p>
<div id="attachment_24" class="wp-caption aligncenter" style="width: 510px"><img class="size-full wp-image-24" title="Afrikanische Reisbauern besuchen Thailand" src="http://asienkorrespondent.files.wordpress.com/2009/10/reisbauer.jpg?w=500&#038;h=332" alt="Billiger Reis aus Thailand ueberschwemmt Afrikas Maerkte" width="500" height="332" /><p class="wp-caption-text">Billiger Reis aus Thailand ueberschwemmt Afrikas Maerkte</p></div>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Der Druck auf Westafrikas Reisproduzenten wächst ins Unerträgliche. Billiger Reis aus Thailand bringt die Reisproduzenten in Afrika in immer grössere Schweirigkeiten. In Ghana zum Beispiel kommt bereits jedes dritte Reiskorn aus dem süsdostasiatischen Königreich. Was für Westafrikas Bauern schwerwiegende Folgen hat, ist letztendlich auf ein WTO-Abkommen zurückzuführen, das dieses Dumping erst ermöglichte. Die Gewinner sind nicht etwa die thailändischen Reisbauern, sondern die Händler und Reismüller in Asien. Mit einer gemeinsamen Aktion versuchen nun die Bauern beider Regionen auf diese Absurdität des freien Marktes aufmerksam zu machen.</strong></p>
<p>Von Pascal Nufer</p>
<p>Die Sonne steht senkrecht am Himmel und brennt auf die Stoppeln eines abgeernteten Reisfelds. Dominic vermischt  mit blossen Händen einen Bund Strohhalme mit Erde und Wasser, während er konzentriert den Anweisungen eines thailändischen Reisbauern folgt. Dominic ist selber Reisbauer, allerdings nicht in Thailand, sondern in Ghana, einem der Länder Westafrikas, die bis vor kurzem noch vom Reis ihrer eigenen Produzenten leben konnten, jetzt aber immer mehr von Importreis abhängig sind. – „Thailands Reis macht unseren Markt komplett kaputt“ sagt Dominic, während er weitermischt an dem, was später selbst gemachter Dünger werden soll.</p>
<p><strong>Diversifizieren zum überleben</strong></p>
<p>Nach dieser einfachen Lektion in Bio-Landbau versichert er, dass er diese Methode auch zu Hause anwenden werde. „Wir müssen lernen, unabhängig zu werden von Düngerproduzenten und Abnahmeverträgen mit großen Händlern, nur so können wir in Westafrika dem Druck von außen, insbesondere dem von Thailand stand halten“. Dominic ist 31 Jahre alt. Er ist der zweite Sohn einer siebenköpfigen Familie in Ghana. Sein Vater betreibt die Farm, auf der Dominic aufgewachsen ist, seit er sich erinnern kann. „Wir haben Glück, die Farm reicht für ein Einkommen für uns alle.“  Im Moment arbeitet er selber allerdings noch als Forstingenieur und nur zum Teil auf dem Hof seines Vaters. Bald schon wird aber Dominic in die Fußstapfen seines Vaters treten und den Hof übernehmen. „Ich arbeite jetzt schon daran, unsere Produktion möglichst zu diversifizieren und nicht zu stark von Weltmarktpreisen abhängig zu machen“. Erklärt Dominic in einem Englisch, das stark von der Tonalität seines muttersprachlichen Dialektes geprägt ist. Nebst Bio-Reis, Mais, Karotten und Hirse zieht Dominics Familie auch Rinder auf, einerseits für Fleisch- aber auch für Milchproduktion. Es ist wohl dieser Vielfältigkeit zu verdanken, dass es Dominics Familie im Vergleich zu anderen Bauern in der Region gut geht. Dominics Vater besitzt sogar zwei Traktoren, mit denen er die eigenen Felder bearbeitet, die er aber auch an andere Bauern in der Nachbarschaft vermietet.</p>
<p><strong>Dialog für besseres Verständnis</strong></p>
<p>So komfortabel wie Dominic geht es längst nicht allen Bauern in Ghana. Laut einer Studie zum ghanaischen Lebensstandard sind insbesondere die Bauern, die vom Pflanzenanbau leben, stark von Armut betroffen; laut Zahlen von UNDP, dem UNO-Entwicklungsprogramm sind es in den ländlichen Savannenregionen gar bis zu 70 Prozent der Bevölkerung, die unter der Armutsgrenze leben. „Wir wollen dieser Entwicklung nicht länger zuschauen“. sagt Dominic, während er sich die Hände von den Überresten des Düngers sauberwischt. Er habe deshalb sofort zugesagt, als er angefragt wurde, ob er nicht eine Delegation westafrikanischer Reisbauern nach Thailand begleiten wolle, um da mit denjenigen Produzenten, die den heimischen Markt überschwemmen, in einen Dialog zu treten. Als Vertreter eines kleinen Netzwerkes von Bauern aus seiner Region sei das für ihn eine gute Möglichkeit, einerseits auf die Situation in Ghana aufmerksam zu machen, andrerseits erhoffte er sich von der Reise zum thailändischen Reis auch neue Erkenntnisse für die eigene Produktion.</p>
<p>Genau dies waren auch die Hauptziele der Organisation, die den Bauernaustausch initiiert hat: „Local Action Link“ oder kurz „Local Act“, heisst die kleine Nichtregierungsorganisation, welche seit längerem das Thema Reisdumping auf ihrer Agenda führt. Unterstützt wird Local Act dabei vom deutschen katholischen Hilfswerk Misereor, das die Austauschreise finanziert hat.</p>
<p><strong>Ziel Ernährungssouveränität</strong></p>
<p>Als thailändische Organisation liegt der Fokus von „Local Act“ zwar in erster Linie auf der Situation im eigenen Land, weil diese aber direkt mit der Situation der Abnehmerstaaten verbunden sei, habe sich der Austausch mit den Afrikanern als logischer Schritt angeboten, erklärt die Gründerin und Leiterin von Local Act, Samranjit Pongtip. „Im Grunde geht es uns vor allem ums Thema Ernährungssouveränität.“ Sagt die Thailänderin, die mit ihrer Organisation auch Mitglied ist im internationalen Kleinbauern-Netzwerk „la via campesina“, das sich vor allem gegen die negativen Auswirkungen des globalisierten Agrarhandels wehrt. Und mit Ernährungssouveränität meint sie nicht nur, dass alle genug zu Essen haben, sondern eben auch selbständig darüber verfügen können. Genau so definiert es auch „la via campesina“. Wichtig sei auch, dass jedes Land selber entscheiden könne, wie gross denn der Anteil an Eigenproduktion ist. „Ich bin deshalb auch klar der Meinung, dass Exportsubventionen, welche die Ernährungssouveränität eines anderen Landes bedrohen, verboten sein sollten.“ Führt die Agrarexpertin weiter aus und verweist damit auf die Situation in Thailand, wo eben genau dies der Fall sei und der Reis, der ins Ausland gehe subventioniert würde. „Warum sonst ist wohl der thailändische Reis in Afrika billiger als hier? Wohl nur, weil er exportsubventioniert ist.“ – Und genau da beginnt auch der Kampf den die Kleinbauern mit den Regierungen ausfechten. Die thailändische Regierung zum Beispiel, streitet die Subventionen schlicht und einfach ab, wie Dominic und seine Kollegen bei einem späteren Treffen im thailändischen Handelsministerium erfahren müssen. Der Reis unterliege dem freien Markt und die Preise würde von Angebot und Nachfrage bestimmt, lautet die lapidare Erklärung des thailändischen Außenhandelsverantwortlichen bei einem Treffen mit der afrikanischen Delegation. Darüber hinaus sei es oft gar kein thailändischer Reis, der auf den Märkten in Afrika als solcher deklariert sei, behauptet der Abgeordnete weiter. „Die verkaufen irgendwelchen Billigreis und füllen ihn einfach in thailändische Säcke ab“. – Eine Antwort, die Dominic zwar nicht ganz glaubt, die ihn aber auch nicht wirklich erstaunt. „Ich kann mir sogar vorstellen, dass dies in einzelnen Fällen sogar wahr ist, allerdings ist es wohl nicht die Hauptursache für die große Menge Reis aus Thailand, die bei uns verkauft wird. Wir werden dem aber sich nachgehen.“</p>
<p><strong>Regierung streitet ab</strong></p>
<p>Die Leiterin von Local Act, Samranjit Pongtip zieht eine ähnliche Bilanz und äußert sich am Schluss grundsätzlich zufrieden über das Zusammentreffen der beiden Bauerngruppen. Allerdings hatte sie sich ursprünglich gewünscht, dass daraus eine Petition zuhanden des Thailändischen Handelsministeriums resultieren würde. „Es war aber schon gut, dass die afrikanische Delegation überhaupt mit thailändischen Regierungsvertretern reden konnte“, sagt sie in einem leicht konsternierten Ton. Die Vertreter des Handelsministeriums hätten so immerhin auf eindrückliche Weise aus erster Hand erfahren, welche Folgen ihre aggressive Preispolitik auf die Bauern in Afrika habe. – Und das sei ja schon ein wichtiger Schritt. Denn obwohl die Zahlen eigentlich Bände sprächen, würden sich die Politiker und Handelsverantwortlichen immer aus der Verantwortung ziehen, sagt sie und kommt erst richtig in Fahrt: „Ein Land wie Thailand, das pro Jahr mehr als sieben Millionen Tonnen Reis exportiert, muss auch anfangen Verantwortung zu übernehmen, sowohl im Ausland, als auch im eigenen Land.“ Immerhin sei Thailand damit der größte Reisexporteur der Welt. Samranjit Pongtip verweist in dem Zusammenhang auch darauf, dass in Thailand die Exportmengen zwar Jahr für Jahr steigen, dass aber die Reisbauern davon überhaupt nichts merken -und sich die Preise im Gegenteil sogar nach unten entwickeln. Laut „Local Act“  bleibt den  Bauern selber im Durchschnitt nicht einmal ein Viertel des eigentlichen Exportwertes, weshalb sich viele Bauern in Thailand über kurz oder lang verschulden müssen. Denn als einzigen Ausweg sehen sie oftmals nur noch die Aufnahme eines Kredits, um damit neues teures Saatgut zu kaufen, das höhere Erträge verspricht. „Und oftmals beginnt damit eben genau die klassische Schuldenspirale.“ Sagt die Leiterin der thailändischen Bauernorganisation. Laut einer Erhebung sind in Thailand über 60 Prozent der bäuerlichen Haushalte verschuldet und das trotz diverser staatlicher Unterstützungsprogramme, die eigentlich genau das verhindern sollten. Und genau diese Tatsache ist es denn auch, welche die Afrikanischen Besucher am meisten erstaunt.</p>
<p>Denn Dominic reiste mit seinen acht Kollegen aus Westafrika mit einer ganz anderen Vorstellung nach Thailand. „Ich bin total überrascht, dass ich am Schluss meiner Reise sagen muss: Den Bauern hier in Thailand geht es vielen gleich wie uns, manchen sogar noch schlechter. Das hätte ich niemals gedacht. Und dagegen müssen wir nun alle gemeinsam kämpfen, sowohl in unseren eigenen  Ländern, als auch in der internationalen Wirtschaftswelt.“<br />
<em>* Erschienen: Schweizer Wochenzeitung WOZ, 10. Januar 2008</em></p>
<p>Pascal Nufer, Journalist Bangkok</p>
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