Auf in die Berge von Chiang Rai!

Nordthailand
Grüne Hügelzüge, wilde Bergbäche und fruchtbare Täler: Der Norden Thailands ist unbestritten eine der interessantesten Regionen des Landes. Nordthailand bietet sowohl landschaftlich, wie auch kulturell sehr viel. Schon ein paar Tage reichen, für einen kleinen Einblick ins Reich der einstigen Lannakultur.
Wenn Bangkok zu laut, zu stickig und zu heiss wird, ist es höchste Zeit für einen Ausflug in den Norden. – Denn Nordthailand hat vieles, was die Metropole Bangkok nicht hat: Kühle Nächte, neblige Morgen und eine grosse kulturelle Vielfalt. Touristisch ist die Region längst so gut erschlossen, dass nicht nur Trekkingfreunde und Backpacker auf ihre Rechnung kommen, der Norden Thailands entwickelt sich immer mehr auch zur Wellness-Oase. Das Tor zu Thailands kühleren Regionen ist meist Chiang Mai, es kann jedoch gut auch einmal Chiang Rai sein.
Vom Opium zum Kaffee
Die Stadt im Goldenen Dreieck steht zwar immer etwas im Schatten ihrer grossen Schwester, sie ist jedoch nicht weniger attraktiv. Ihre Lage am Kok Fluss, in Mitten einer fruchtbaren Ebene und zu Füssen des rund 1500 Meter hohen Doi Tungs verschafft Chiang Rai ein besonderes Flair. Dank dem Flughafen ist die Provinzhauptstadt gut an Bangkok angebunden und somit auch idealer Ausgangsort für Ausflüge ins Goldene Dreieck, Thailands ehemaliges Opiumanbaugebiet. Zum Beispiel auf den Doi Tung: Der höchste Berg der Provinz ist nicht nur beliebtes Ausflugsziel vieler Thailänder, sein Name steht heute auch auf Kaffeepackungen, Snacks und diversen Textilien, die in dieser Region produziert und meist in Bangkok verkauft werden. „Doi Tung“ ist eines der erfolgreichsten Entwicklungsprojekte des Königshauses und wurde 1988 von der Mutter des heutigen Königs Bhumibol Adulyadej ins Leben gerufen. Ihr Ziel war es damals, den Bauern, die zu jener Zeit zu einem grossen Teil vom Anbau von Schlafmohn lebten, alternative Einkommensquellen zu erschaffen. Wichtig war dabei auch, dass das unwegsame Gebiet besser erschlossen wurde, was einerseits den Bergdörfern einen besseren Zugang zu den Märkten im Tal bot, andrerseits aber bald auch Touristen anlockte, anfangs zwar noch spärlich, heute jedoch schon in Scharen. Nichts desto trotz lohnt sich aber die Reise auf den „Berg der heiligen Fahnen“, wie der Doi Tung übersetzt heisst. Die gut ausgebaute, kurvige Bergstrasse allein ist es schon wert, sich auf den höchsten Punkt im goldenen Dreieck hinaufzukämpfen. Zwar machen dies zur Hochsaison Dutzende von Reisecars mit thailändischen Touristengruppen genau so, jedoch bietet das ganze Gebiet genug Möglichkeiten, immer wieder den grossen Massen zu entfliehen.

Kok River bei Chiang Rai
Thailändische Schweiz
Das Herz des grossflächigen, meist bewaldeten Hügelgebietes ist der Königssitz mit dem Mae Fah Luang Garden, einem hübschen botanischen Garten, in dem es auf überschaubarem Raum Blumen, Sträucher und Tropenpflanzen zu bestaunen gibt: Von seltenen Orchideenarten über aufwändig gestaltete Blumenbeete bis hin zu vereinzelten Urwaldbäumen finden da Pflanzenfreunde alles, was das Herz begehrt. Gleich nebenan liegt die königliche Villa. Sie diente der Königsmutter, Prinzessin Srinagarindra während der Aufbauphase des Projektes als Sitz und kann heute teilweise besichtigt werden. Es ist unschwer zu erkennen, dass sich die Prinzessin beim Bau der Villa von ihrem langjährigen Aufenthalt in der Schweiz inspirieren liess. Das grosszügige Haus ist eine Mischung aus Schweizer Chalet und thailändischem Holzhaus, was denn auch der Grund ist, weshalb viele Thailänderinnen und Thailänder die Doi Tung-Gegend auch die thailändische Schweiz nennen. Alpine Gefühle weckt aber auch die Aussicht, die es vom Doi Tung aus zu geniessen gibt und die bei gutem Wetter weit hinein in die Ebene zwischen Kok-Fluss und Mekong reicht. Für Heimweh-Europäer empfiehlt sich eine Übernachtung in der Doitung Lodge, einem Resort auf 1000 Metern über Meer, das zwar von seiner Bauart eher an eine militärische Festung erinnert, als an eine Resort, aber immerhin ganz komfortable Zimmer mit Aussicht bietet. Frühaufsteher können von da aus ein Naturschauspiel beobachten, wie man es sonst eher aus den europäischen Voralpen, denn aus den Tropen kennt: Wenn die glühende Sonne aus dem Nebelmeer unter dem Doi Tung auftaucht, wird es schon richtig schwer zu glauben, dass man noch in Thailand ist. Ein weiterer Vorteil an einer Übernachtung auf dem Berg ist, dass man in der ersten Tageshälfte die Hauptattraktionen wie zum Beispiel den botanischen Garten, die Königsvilla oder das Arboretum (ein Baumpark mit einheimischen und exotischen Bäumen) besuchen kann und also noch vor den grossen Touristenströmen unterwegs ist.

Zeitgenoessische Tempelkunst bei Chiang Rai
Grenzerfahrungen
Auch die Fahrt zurück ins Tal kann zu einem besonderen Erlebnis werden, wenn man die richtige Route wählt. Eine Strasse verläuft über mehrere Kilometer auf einem Grat, der gleichzeitig die Grenze zwischen Thailand und Birma bildet. Wenn man sich von den diversen Militärposten, die man dabei passieren muss nicht einschüchtern lässt, wird man mit einer wunderbaren Aussicht über die Weiten des burmesischen Dschungels belohnt und landet schliesslich im Grenzort Mae Sai, dem nördlichsten Punkt Thailands. Ein kleiner Fluss bildet hier die Grenze zu Birma, oder Myanmar, wie das Land seit 1989 offiziell heisst. Über die Brücke gelangt man mit einem Tagesvisum in den burmesischen Grenzort Tachilek wo es allerlei günstige Edelsteine, Schmuck und anderes Kunsthandwerk der verschiedenen Bergstämme zu kaufen gibt. Für weitere Grenzerfahrungen bietet sich ganz in der Nähe das eigentliche Goldene Dreieck an, also der Punkt wo die drei Länder Birma, Laos und Thailand zusammenstossen und der Mae Sai-Fluss in den Mekong mündet. Allerdings gibt es da ausser ein paar Souvenirständen und Casinos auf burmesischem Boden nicht viel zu sehen, umso mehr lässt sich dieser Abstecher gut in den gleichen Tagesausflug mit Mae Sai packen.
Richtig ausspannen
Chiang Rai selber hat vor allem eine Sehenswürdigkeit: Den Nacht-Bazar, der im Vergleich zu dem in Chiang Mai viel kleiner und gemütlicher ist und in dessen Mitte abends häufig Tanzaufführungen oder traditionelle Konzerte stattfinden. Obwohl Chiang Rai älter ist, als Chiang Mai und ursprünglich die Hauptstadt des einstigen Lanna-Königreiches war, erinnert heute nichts mehr an die Blütezeit der früheren Königsstadt, die im 13. Jahrundert gegründet wurde. Historische Bauten sucht man vergebens und die Modernisierung schreitet auch hier schneller voran, als sie geplant werden kann. Wer ein paar ruhige Tage verbringen will im Norden, sucht sich besser eine Unterkunft um Chiang Rai herum, zum Beispiel auf halbem Weg nach Chiang Mai, im Suanthip Vana Resort. Umgeben von einer wunderschönen Gartenanlage lässt sich hier richtig gut ausspannen. Der grosszügige Pool und die Wege durch den hoteleigenen Park lassen einen den Alltagsstress innert kürzester Zeit vergessen. Ideal ist der Ort auch für Tagestouren in verschiedene Bergdörfer oder zum nahe gelegenen Mae Ngat-Stausee, auf dem man sich per Longtailboot herumgondeln lassen kann. Für die Rückreise kommt von hier aus sowohl Chiang Rai, wie auch Chiang Mai in Frage. Beide Städte liegen nur etwa eineinhalb Stunden Autofahrt entfernt.
Organisationen:
pda:
Die Population & Comunity Development Association ist die grösste Nichtregierungsorganisation, die sich seit über 20 Jahren in Thailand aktiv ist. Der Gewinn ihrer Restaurants und Hotels (bekannt unter dem Namen „Cabbages & Condoms“) unterstützen sie diverse Hilfsprojekte in ganz Thailand. Dir Organisation betreibt in Chiang Rai ein Restaurant und in der Nähe von Chiang Rai ein kleines Resort. Das Büro in Chiang Rai bietet auch Trekking-Touren und Guides zu ihren Projekten in den umliegenden Bergdörfern. Ausserdem betreibt pda ein Hilltribe-Museum, in dem die Hintergründe und die Geschichte der einzelnen Völker erklärt wird.
www.pda.or.th/chiangrai/
Mae Fah Luang
Die königliche Stiftung betreibt unter anderem das Doitung-Projekt, in dem ehemaligen Opium Bauern neue Alternativen ermöglicht wurden.
www.maefahluang.org
www.doitung.org
Pascal Nufer, Journalist, Thailand
